Huber, Klaus: Sprachgedanken

Jede weitere Sprache
eröffnet neue Erfahrungsräume.
*
Spricht in fremdem Land das Herz,
erübrigt sich ein Wörterbuch.


1. Sprach-Losigkeit

*
Wenn es uns
die Sprache verschlägt,
spricht die Stille
zu uns.
Ihre Stimme
ist nur zu vernehmen,
wenn wir sie aushalten.

2. Sprach-Erben

Unsere Kinder
„erben“ von uns
die Sprache,
die wir mit ihnen pflegen.
*
Kinder ent-sprechen
der Sprache
ihrer Eltern.
*
Wörter und Worte,
die Kinder nie
von ihren Eltern
zu hören bekommen,
bleiben ihnen
Fremd-Wörter.

3. Sprach-Wörtliches

Versprich nur,
was du halten kannst.
Halte, was du versprechen kannst.
*
Mancher Versprecher
enthüllt schonungslos,
wie er gemeint war
*
So manches Verspreche-n
offenbart sic
im Nachhinein
als Verspreche-r.
*
Ein allzu schnelles Versprechen
verschlägt bisweilen hinterher
dem, der es gegeben hat,
die Sprache.
*
Manche schlag-kräftige Sprache
lässt die verstummen,
die sie – geschlagen – hören.
*
Schlag-Wörter
tragen nicht umsonst
diesen Namen.
*
Manches Schlag-Wort
lässt auf einen Schlag
verstummen.
*
Schlag-Wörter
bewirken
den Selbst-Mord
der Sprache.
*
Man muss mit den Menschen
Deutsch reden.
Das bedeutet mehr,
als „nur“ diese Sprache benutzen.
Es sorgt für Klarheit.
*
Eine Sprache,
in der ich mich wohlfühle,
weil ich in ihr zu Hause bin,
wird zur „Sprach-Heimat“.
*
Eine Sprache
verrät den,
der sie spricht
*
Einer Sprache „Mode-Furz“
ist dem Freund der Sprache „schnurz„.
Ehe Auswuchs ihn empört,
schreibt er, wie es sich gehört.